Theatergesellschaft Hochdorf

Gründung

Theaterspielen hat in Hochdorf längere Tradition. Schon um 1860 gab es unter der Leitung von Amtsschreiber Zumbühl Aufführungen für Kinder. 1879 malte Vinzenz Halter Theaterkulissen. Sein Kind Peter spielte auch ab und zu mit.

 

Der vitale Theophil Schmidlin, Direktor von 1889 - 1922 der damaligen Seethalbahn, brachte nicht nur Industrie nach Hochdorf, sondern förderte auch die Kultur. Dies immer im Hinblick seiner Bahn mit Güter- und Personentransporten zu mehr Rendite zu verhelfen.

Theophil Schmidlin und Peter Halter
Theophil Schmidlin und Peter Halter

Am 06.03.1892 trafen sich einige Theaterfreunde im Gasthaus Hirschen um eine Theatergesellschaft zu gründen. Es waren dies die Herren Direktor Theophil Schmidlin, Arzt H. Jenny, Arzt Hans Meyer, Amtsschreiber P. Halter und Lehrer Jos. Frid. Trüb. Sie beschlossen Statuten zu entwerfen. Bereits an der Sitzung vom 15. 03. wurden diese genehmigt. Gleichzeitig wurde beschlossen am 19. März eine konstituierende Versammlung einzuberufen.


"Die Gesellschaft hat den Zweck, durch Aufführung von volkstümlichen Schauspielen und zwar vorzugsweise von solchen, in denen sich die Geschichte unseres Vaterlandes treu wieder spiegelt und in lebensvollen Bildern erscheinen, sich selbst eine belehrende Unterhaltung zu verschaffen und dadurch auch für die Erziehung des Volkes zu wirken."


Alle 41 Anwesenden genehmigten die Statuten. In offener Abstimmung wurden gewählt: Theophil Schmidlin, Präsident; Hans Meyer, Vizepräsident; Peter Halter, Aktuar; Josef Rast, Kassier; Bernard Egli, Materialverwalter, Xaver Elmiger und Kustor Suter, Rechnungsrevisoren, als Ersatzmann Sebastian Fessler.

Nachdem die Traktanden somit erschöpft waren, wurde

der Vorstand mit den weiteren Schritten betreut und die Sitzung um 9 Uhr geschlossen.

Hochdorf, d. 19. März 1892.

 

Schmidlin wurde als Theaterdirektor gewählt. Er übernahm, wie in allen späteren Aufführungen die Regie und eine der Hauptrollen, nota bene: nach damaliger Kritik beides ausgezeichnet.

Ende April 1892 wurde das Theaterstück des Pfarrers Josef Jgnaz von Ah, der unter dem Pseudonym Hartmann von Baldegg ein Volksschauspiel "Winkelried" schrieb.

Von Ah teilte mit dieser Karte mit, dass er selber nach Hochdorf kommen will:

 

Hochdorf mit Hotel Kreuz und Theaterbau
Hochdorf mit Hotel Kreuz und Theaterbau

"Hr. Hirschenwirth sei bereit, ein Anbau an seinen Saal zu erstellen und eine Schauspielbühne 8 Meter 50 Ctm tf und 11 Meter breit mit Ankleideraum zu erstellen." Schreiner Josef Bucher stellte ca. 35 Bänke  für Fr. 8.-- her. Dies ist dem Protokoll vom 29. April 1892 zu entnehmen.

Hier können Sie das damalige Plakat für diese Aufführungen anschauen. (Link mit freundlicher Genehmigung der Schweizerischen Nationalbibliothek.)

Die damaligen Rollen und Darsteller

Herzog Leopold v. Österreich

Viridis, seine Frau

Johannes, sein Kanzler

Heini von Uri, Hofnarr

Graf Hans von Aarberg

Ochsenstein, Feldhauptmann

Peter v. Thorberg

Grünenberg, Vogt v. Rothenb.

Von Gundoldingen, Schulth.

Werner, dessen Sohn

Gertrud, dessen Tochter

Käthe, deren Freundiin

Klaus von Matt

Heinrich zur Linden

Jöry, Kupferschmied

Erni Winkelried

Hans Spielmatter

Heini von Buochs

von Hunwyl

Ulrich Stauffacher

W. Sigrist von Diesselbach

R. Reding

Peter von Balm

Clara Fries

Regula Hadlaub

Stadtschreiber v. Luzern

Jos. Felder v. Entlebuch

Pantaleon Diener

Winkelrieds Knaben

Herold

Bote

 

Frz. Jos. Schüpfer

Frau Schmidlin

Jenny, Maler

Seb. Fessler, Bez.-Lehrer

Dr. Hans Meyer, Arzt

Alfred Grüter, Polizist

Ad. Berger, Bahnmeister

Bruno Buchmann

Bernard Egli

Theodor Wyss

Elise Jenny

Anna Frischkopf

Peter Halter, Amtsschreiber

Adolf Stocker, Lndwirt

Franz Bucher, Landwirt

Theophil Schmidlin, Direktor

Martin Buchmann, Landwirt

Jos. Frischkopf

Franz Joh. Schmied

H. Elmiger, Gerichtspräs.

A. Hörndli, Sattler

Th. Stutz, Schneidermeister

Al. Vonmoos, Werkmeister

Emma Wyss

Maria Peter, Schneiderin

Jost Buck, Amtsweibel

M. Fellmann, Dir. Hohenrain

Franz Estermann, Landw.

Söhne von Schmidlins

Vinzenz Tschupp

Jos. Vonmoos, Bahnbeamter

 


 

1896 kam "Der Zunftmeister von Nürnberg" ein Fünfakter von Oscar Redwitz auf die Bühne.

Hier ist das Originalplakat für dieses Theater zu sehen.

(Link mit freundlicher Genehmigung der Schweizerischen Nationalbibliothek.)

 

1894 erfolgte die Aufführung von "Hans Waldmann" ebenfalls von Pfarrer von Ah.

Die Frau des Theaterdirektors Theophil Schmidlin

spielte in allen Schauspielen mit. Ihr Vorname ist noch zu "erforschen". Sie starb 1912 in Hochdorf.

Frau Elise Wyss-Jenny, Frau des damaligen Brauereibesitzers Wyss

 

 

 

Erfolg macht hungrig, so wurde denn beschlossen ein grosses Theater mit 1300 komfortablen Sitzplätzen zu bauen.
Die Bühnentechnik wurde mit dem modernsten seiner Zeit ausgerüstet. So schreibt ein Kritiker:
"Sehr praktisch muss auch der Bühnenmechnaismus sein; denn nur so ist der erfreulich rasche und geräuschlose Szenenwechsel möglich."
Die Bühne war so gross, dass selbst Pferde auftreten und Pferdegespanne auffahren konnten. Sogar die Belüftung des Theaters wurde gelobt. Über die damalige Vernebelungstechnik kann man heute noch schmunzeln: Die neben dem Theater stehende Dampflok strömte ihren Dampf sehr wirkungsvoll in die Theaterszene.

Rechts im Bild das Theater mit dem markanten Schnürbodenturm

Unten: Das Bild entstand während diesen Aufführungen 1899. Den Winkelried spielte Theophil Schmidlin. Ganz rechts im Vordergrund stehend Peter Halter.
(Bildquelle (Ausschnitt) alt-hofdere, Hochdorf)

Am 2. Juli 1899 wurde das Theater eröffnet mit Schillers Wilhelm Tell mit einem Vorausakt geschrieben von Peter Halter.


Einweihung des Peter-Halter-Brunnens 1924

Zur Einweihung des Peter-Halter-Brunnens am 17. August 1924 gelangte das Festspiel "Die Heimkehr der Helvetier" von Bibracte" zur 500-jährigen Gedenkfeier zur nochmaligen Aufführung. Regie führte Theophil Schmidlin.

Eigens für die Errichtung dieses Brunnens organisierte der Zentralschweizerische Presseverein eine Peter Halter Feier im Kursaal am 22. Juni 1924. Der Erlös: Fr. 1197.--! Daneben gingen viele Spenden von Privatpersonen und Geschäften ein. (Quelle: Vaterland vom 19. August 1924.)

Ganz links im Bild: Bernhard Egli, 75-jährig, spielte, wie schon 1896 einen Helvetier; 

Xanthe: Frau Sidler; Veleda: Frl. Högele; Feldherr Marius: Georg Paulus; der alte Oberprister: Lehrer Josef Fellmann; Chor der Priester: Männerchor Hochdorf;

Begleitung: eine Kleinformation der Feldmusik.

Quelle: Seetaler-Bote, 14.02.1958