Die heimatlosen Familien Gerzner

Wer ist Heimatloser?

Als heimatlos sind alle in der Schweiz befindlichen Personen zu betrachten, welche weder einem Kanton als Bürger, noch einem auswärtigen Staat als heimatberechtigt angehören."

Bundesgesetz S. 913.

"In den Quellen wird meist nicht zwischen den verschiedenen "Angehörigen der Armenpopulation differenziert. Die verwendeten Bezeichnungen Vagabunden", "Vaganten", "Gesindel", "Bettler", "Kessler", "Landstreicher", "Heimatlose" sind austauschbar."

Sie wurden alle in einen Topf geworfen und allen wurde gleiches vorgeworfen: Müssiggang, Zügellosigkeit, Kriminalität und Unordnung.

Wie entsteht Heimatlosigkeit?

Vor allem in Krisenzeiten "konnten Armut, Hunger und Not bis anhin sesshaft lebende Menschen zu einem nichtsesshaften Leben zwingen. Armut war eng mit Nichtsesshaftigkeit und Heimatlosigkeit verschränkt." Sie sassen in einem Teufelskreis, aus dem herauszukommen nahezu unmöglich war.

Der Umgang der Behörden mit den Heimatlosen

Eine Einbürgerung wurde den "Armen" meist verweigert, weil die Gemeinden für unterstützungsbedürftige Bürger aufkommen mussten.

"Nichtbesitz eines Heimatrechts konnte eine ganze Reihe von Konsequenzen nach sich ziehen: Das Recht auf Armenunterstützung, auf Niederlassung und gewerbliche Betätigung sowie Besitz immobiler Güter, gar das Recht, eine staatlich anerkannte eheliche Verbindung einzugehen," (Folge: uneheliche und heimatlose Kinder. Zitat aus dem Stammbuch: "Früchte dieser wilden Ehen").

"Im Ancien Régime war es gängige Praxis, dass sich die eidgenössischen Orte als souveräne Kleinstaaten ihnen lästige Personen über die Grenzen gegenseitig zuschoben."

"Im jungen Bundesstaat gab es zwischen 1852 und 1856 eine umfassende Verhaftungswelle von Heimatlosen und wurden registriert. Unter diesen Menschen waren Korbflechter, (meist Frauen), Kesselflicker, Hausierer, nicht sesshafte Mägde und Knechte, Musikanten, Schausteller und Artisten. Die Bundesanwaltschaft wollte die Heimatlosen und berufslos herumziehenden Vaganten und Bettler

systematisch in einem zentralen Register verzeichnen lassen."

Heimatlose im Kanton Schwyz

"Nebst repressiven Massnahmen, mit denen der Kanton die Heimatlosigkeit bekämpfte, gab es vergleichsweise früh Schritte hin zu einer zumindest teilweisen rechtlichen Integration der von ihm als Angehörige anerkannten Heimatlosen. So nahm der Kanton in den Jahren 1822, 1838 und 1839

Verteilung von Heimatlosen auf die Gemeinden und Bezirke vor. Diese wurden zur Duldung und zu strenger Aufsicht der zugeteilten Heimatlosen verpflichtet."

"Josef Karl Benziger Kantonsstatthalter meinte an der Landsgemeinde 1848:

..man gebe den Heimatlosen Pflanzland, man lasse sie Schulen besuchen und gebe ihnen sogar unentgeltlich die Schulmaterialien, auch lasse man sie durch die Armenpflege und den Armenarzt besorgen. Damit sei es aber dann genug, und keine Einbürgerung."

So gab es z.B. in Einsiedeln Bürger, Neubürger, Tolerierte, und Heimatlose mit sehr unterschiedlichen Rechten. Daneben gab es noch die "sog. Eingekauften".

In Einsiedeln wurden alle, selbstverständlich Bürger ausgenommen, registriert im

"Stammbuch Vagabunden".

Veranlasst von denen Hochgeehrten und Hochwohlgeborenen,

an die sich Dienerinnen und Diener unterthänigst entschuldigend wenden mussten für eine demüthigste Bitte.  (Auszug aus Briefen.)

So sind auch die Gerzner in diesem Buch notiert.

1822 wurde Hieronimus Gerzner mit seiner Frau Katharina, geborene Blocker, und seinen sechs

Kindern unter die im Kanton Schwyz geduldeten Heimatlosen aufgenommen. "1838 wurde die Familie dem Bezirk Einsiedeln zugeteilt, wo die Familienmitglieder im Rahmen des kantonalen Vollzugs des Bundesgesetzes in den 1850er Jahren auch eingebürgert wurden." Sie erhielten am 5. Dezember 1876 den Heimatschein. Sie wurden aber nicht Bürger, sie wurden Neubürger.

"Ihre Nachkommen bekamen das rigide Vorgehen des Kantons Schwyz deutlich zu spüren. Keine der zehn Paarbeziehungen, die ihre Nachkommen in den Jahren zwischen 1830 und 1860 eingingen und über die die Quellen Auskunft geben, war eine staatlich anerkannte Ehe. Alle Ehebewilligungsgesuche

wurden vom Bezirksrat Einsiedeln abgelehnt. Vier Paare lebten im Konkubinat," sechs Paare hatten sich in Norditalien oder Rom von einem Geistlichen trauen lassen und führten eine römische Ehe.

Enkel Joseph Franz Anton Gerzner führte "eine nicht sesshafte Lebensweise und hielt sich mit seinem Bruder Sebastian und seiner Beihälterin Katharina Kindler, eine Eingeteilte in Schwyz, als Scherenschleifer im Tessin und im Piemont auf. Bis 1859 war Josef Franz Anton landesabwesend." "1859 stellte er ein erstes Gesuch Katharina Kindler, mit der er bereits drei Kinder hatte," zu heiraten. Es wurde ihm verweigert, weil er keinen festen Beruf habe und deshalb er die Familie nicht ernähren könne.

Nach einem Aufenthalt in Norditalien stellte er 1861 erneut ein Gesuch. Es wurde abgelehnt, diesmal mit der Begründung, er habe bereits fünf uneheliche Kinder und habe noch immer keinen festen Beruf.

Ein drittes Gesuch 1872 wurde mit der gleichen Begründung abgelehnt, aber die Familie hatte bereits 11 Kinder, alle römisch getauft aber dennoch heimatlos und unehelich.

Um diese Nachkommen stritten sich Schwyz und Einsiedeln ein Jahr lang um die Zuständigkeit der Kinder, weil Katharina in Schwyz und Josef Franz Anton in Einsiedeln zugeteilt waren. Schliesslich musste Einsiedeln die Familie, die im April 1876 ihr 13. Kind bekam, in ihren Bezirk aufnehmen.

Schlimmer erging es Anna Maria Gerzner *1811, Tochter von Hironimus.

Auch ihre römische geschlossene Ehe mit Kaspar Schwarz wurde staatlich nicht anerkannt. Nach ihrer römischen Verehelichung im Tessin oder Piemont wurden bei der Rückkehr 1829 Kaspar nach Küssnacht, Anna Maria nach Einsiedeln geführt. Aus Gründen der Gemeindezugehörigkeit. Das wirkte sich auch auf die Kinder aus, die trotz allen Versuchen, seitens der Gemeinden dies zu verhindern, zur Welt kamen. Diese Familie wurde von Gesetzes wegen gezwungen, getrennt in verschiedenen Bezirken zu leben. Anna Maria wurde wiederholt von der Polizei von Küssnacht nach Einsiedeln transportiert, und Kaspar in umgekehrter Richtung.

Am 9. August 1862 würde der Bezirksrat die Ehe staatlich anerkennen, wenn die Einsiedeln zugeteilten Kinder nach wie vor als hiesige Bürger anerkannt werden. Im September war es denn soweit. Anna Maria wurde Bürgerin von Küssnacht, nicht aber ihre Kinder, die nach wie vor Einsiedeln zugeteilt waren.

1866 endlich, als die Familie sich im Wallis niederlassen wollte, einigten sich nach längerem Briefwechsel die streitenden Gemeinden. Nur weil Küssnacht versicherte, Kaspar im Verarmungsfall zu unterstützen, stellte der Bezirk Einsiedeln die nötigen Papiere für die gesamte Familie aus, die das Wallis verlangte.

Wo war da die Nächstenliebe in dieser gottesfürchtigen Gesellschaft im souveränen Kanton Schwyz, wo der Klerus einen gewaltigen Einfluss auf die Behörden und Bürger hatte?

Quelle mit Einverständnis Heinz Nauer

Seine Masterarbeit: Uni Luzern, Herbst 2010, "...als ob sie ängstlich nach einer Heimat suchten"

Gekürzte und überarbeitete Version erschienen in Mitteilungen des Historischen Vereins des Kantons Schwyz, Heft 103-2011, Seite 69 – 90.

Wortwörtliche Zitate in Anführungs- und Schlusszeichen.

  

 

 

 

Heute gehören noch einige Gerzner zu den Fahrenden.

Um gleich Vorurteile auszumerzen:

Sie sind nicht zu verwechseln mit Romas oder Sintis.

Sie haben das Schweizer Bürgerrecht und haben im Winter ein festes Domizil, dort bezahlen sie Steuern. Sie sind auch üblich versichert. Ihr Einkommen bestreiten sie selbständig als Generalisten .

Viele sind jedoch fest "verwurzelt" und sind in allen Berufen "anständigen Berufen!" tätig.

 

 

Hier erfahren Sie mehr

Bewegung der Schweizer Reisenden

Die Gerzner aus Einsiedeln

1822 wurden der 38-jährige Hieronymus Gerzner, seine 36-jährige Ehefrau Katharina Blocker und ihre 6 Kinder vom Kt. SZ als geduldete Heimatlose aufgenommen.
1838 wurde diese Familie dem Bezirk Einsiedeln zugeteilt und um 1850 eingebürgert.

 

Hironimus, * 1784, verheiratet mit Katharina Blocker, * 1788

ihre Nachkommen

Katharina

Josef Anton

Josef

Anna Maria

Magdalena

Aloisa

* 1801    1850, ein Kind: Verena

* 1802, oo mit Rosa Schwarz

* 1809    1874

* 1811, oo Kaspar Schwarz

* 1816   1887, oo Melchior Schwarz

*1820


Nachkommen von Josef Anton und Rosa Schwarz

Sebastian    

Katharina    

Josef Franz Anton

Aloisa Benedikta *

* 1826   1855, oo Paulina oder Paula Schmid

* 1827   1868, oo Josef Ochsner

* 31.03.1830 06.02.191, oo Katharina Kindler * 19.10.1830  † 11.06.1913

* 1831   1831


Nachkommen von Josef Franz Anton und Katharina Kindler

Josef Franz

Sophia

Karl Alois

Josef Seraphin

Augustin

Sutera ??

 

Cornelius Cyprianus

Josefa

Emilia

Joh. Baptist Dominik

Severus Theophil

Peter Anton

Peter Paul Felix

 

 

* 06.09.1852  05.03.1920, oo M.A.Kreszentia Geringer * 12.07.1853  02.10.1915

* 19.11.1854, verschollen, oo Ignaz Huser

* 29.03.1858, oo A.M.Josefa Antonia * 17.01.1862, beide verschollen

* 17.08.1860 verschollen, oo Franziska Geringer * 21.11.1858 23.01.1935

* 07.06.1860, oo Agatha Debon, beide verschollen

* 02.01.1863, verschollen

   sehr wahrscheinlich: Sotera oo Charles Ostertag in Quinto

* 05.02.1865 01.08.1902, oo Katharina Fuchs * 25.03.1865, verschollen

* 02.05.1867, oo Zimmermann, (Josefa verschollen)

* 02.05.1867 24.03.1929, oo Petermann

* 11.07.1869 16.02.1948

* 30.05.1871 01.03.1964

* 18.03.1873 31.03.1966

* 06.04.1876 20.03.1926

 

 


 

 

 

 

Franziska Gerzner-Geringer

 

 

Nachkommen von Josef Seraphin und Franziska Geringer

Josef Benedikt

Anna Maria

Josef Meinrad

Anna Maria

Johann

Franziska

Josefina

Dominik

Emma

Franz Johann

* 27.04.1882 15.01.1965

* 07.01.1884   28.08.1884

* 04.05.1885   26.02.1939

* 29.08.1887   18.09.1937

* 19.10.1888   06.03.1889

* 20.09.1890   10.04.1963

* 01.06.1892   25.09.1892

* 07.10.1893   17.01.1894

* 23.04.1897 †  ?

* 27.06.1900   16.07.1900

 

 


 

 

 

 

 

Anna Maria Gerzner

verheiratet mit Alois Kuriger * 07.01.1889 27.04.1952

 

 

 

Sie ist die Verbindung zu Rüedi

 

 

Nachkommen von Josef Franz und M.A. Kreszentia Geringer

Josefina

Josef Franz Anton

Johann Theodor

Ludwina

Maria Christine

Josef

Anna Katharina

Ignaz

Bertha Maria

Margaritha Mathilde

* 14.04.1876, oo Josef Elsener aus Mazingen

* 05.09.1877 30.03.1953, oo Luise Huser *29.12.1878 06.08.1956

* 07.02.1880  16.09.1880

* 06.05.1881  15.08.1881

* 16.05.1882, oo Janser

* 01.09.1883  12.10.1883

* 20.05.1885  25.01.1938

* 26.10.1886  05.12.1943

* 08.01.1907

* 05.11.1911  26.06.1948


Josef Elsener wanderte nach Amerika aus, er war am 22.11.1904 in New York angekommen.

Josefina und ihre beiden Kinder Josefina Louise (oo Gasser) und Anna (oo Putz) reisten nach und waren am 17.05.1905 in New York.

Die Beiden hatten noch zwei Kinder: Alberta und Elsi Eleanor (oo Cusick).

 

In Arbeit

Quellen:

Bilder: Familienarchiv

Texte: Familienarchiv, https://www.geneal-forum.com